Nach sieben Jahren sprachlich-visueller Reise Andrzej Tobis’ durch Polen verA�ffentlicht Fundacja BA�c Zmiana zusammen mit dem Adam-Mickiewicz-Institut die Sammlung A-Z (Bildungsvitrinen) als eine deutsch-englisch-polnische Publikation. Sie beinhaltet 100 Fotografien aus Polen und illustriert die StichwA�rter aus dem BildwA�rterbuch Deutsch und Polnisch, erschienen 1954 in der Deutschen Demokratischen Republik.

www​.beczmiana​.pl/​s​k​lep

Kommentar des AutorsBiogram

EinfA?hrung

Sebastian Cichocki

Das Buch, das Sie in HA�nden halten, ist eine Zusammenfassung und hA�chst wahrscheinlich auch das Ende des Projektes Aa��Z (Bildungsvitrinen) von Andrzej TobisA�a��A�einem Maler, Fotografen und PA�dagogen aus Kattowitz [Katowice]. Dieser Zyklus, realisiert in den Jahren 2006a��2014, ist zweifellos eines der wichtigsten Kunstereignisse in Polen des 21. Jahrhunderts. Gezeigt wurde er bereits in mehr als einem Dutzend Ausstellungen in polnischen und auslA�ndischen Kunstinstitutionen. Das Buch besteht aus einer subjektiven Auswahl hunderter Fotografien, ergA�nzt von Texten und Interviews. Es sind nicht alle Bilder aus dem Bestand von Aa��ZA�a��A�eine breite und stets wachsende Auswahl kann unter www.A�aztobis.com (die Website startet gleichzeitig zu der BuchverA�ffentlichung) eingeA�sehen werden. Genau wie in den bisherigen PrA�sentationen wird hier nur ein Teil gezeigt, der sich auf die grA�AYere (nicht geschlossene) Sammlung und auf die Welt a�zjenseits der Kunsta�? bezieht.

Aa��Z (Bildungsvitrinen) ist das Ergebnis einer sprachlich-visuellen Reise durch Polen, geleitet von den Spuren eines unscheinbaren Buches aus den 50er-Jahren des 20. Jahrhunderts.A�(…)

Das Projekt ist eines der wenigen kA?nstlerischen AktivitA�ten in Polen, die von einer Gruppe engagierter Fans verfolgt werden. Der AnhA�nger von Aa��Z sieht A?berall das Stichwort aus dem WA�rterbuch, er a�zspricht Tobisa�?, platzt vor Lachen, wenn er die Phrase a�zLiegestA?tz vorlingsa�? hA�rt und weiAY, wie a�zdas Schwimmbecken fA?r Nichtschwimmera�? aussieht. In Tobisa�� Idee steckt ein enormes Potenzial, das fast alle verfA?hrtA�a��A�es ist die FA�higkeit, die Welt als ein riesiges Museum zu sehen, voll von seltsamen (fertigen, unbeabsichtigten) Kunstwerken, oder vielmehr, von Objekten mit einer a�zhohen Koeffizient der Kunsta�?. Das Kalibrieren unserer Augen und unseres Gehirns passiert auf eine leichte, ironische, aber am Ende auch unvermeidlich ominA�se Art undA�Weisea��

Aa��Z basiert auf dreifachem Elend. Das erste Elend kommt von der UnfA�higkeit, alle Dinge der Welt zu katalogisieren und zu fassen, sowohl die sichtbaren als auch unsichtbaren. In diesem Fall stechen einem alle Defizite ins Auge. Das zweite UnglA?ck beruht auf der gewA�hnlichen und banalen UnfA�higkeit einer prA�zisen Benennung dessen, was wir sehen. Es ist eine offensichtliche TragA�die: schlechte A?bersetzungen, falsche Namen, IrrtA?mer, sprachliche Ausrutscher. Das dritte, vielleicht das grA�AYte und schmerzhafteste UnglA?ck, liegt in der Tatsache, dass die SpracheA�a��A�in der Gestalt materieller DingeA�a��A�Alterungsprozessen unterliegt; es folgt das Verschwinden der nicht verwendeten Organe, eine progressive Aphasie (auch wenn es absurd klingen mag). Aa��Z kann daher als ein Katalog des Leides gesehen werdenA�a��A�allerdings mA?ssen wir zugeben, dass diese kleinen sprachlichen und bildlichen Katastrophen unglaublich unterhaltsam und informativ sind.

Wir A?bergeben den Lesern einen Ausschnitt des Archivs Aa��ZA�(BilA�dungsA�A�vitrinen) von Andrzej Tobis in einer Buchform, gleichzeitigA�annehmend, dass diese zwanghafte ErschlieAYung der Welt nie enden werde. Wo, mehr oder weniger endgA?ltig, der KA?nstler sich bereits verabschiedet hat, beginnen wir, die Benutzer des WA�rterbuches, unsereA�Arbeit.

EinfA?hrungBiogram

Kommentar des Autors

Andrzej Tobis

Der Ausgangspunkt des Projektes Aa��Z ist das WA�rterbuch BildwA�rterbuch Deutsch und Polnisch, erschienen im Jahr 1954 in der Deutschen Demokratischen Republik, und seine anschlieAYenden (zweiten und dritten) Ausgaben, mit kleinen A�nderungen in Bezug auf die erste. Im Rahmen des Projektes werden Begriffe und Redewendungen aus der DDR jetzt, nach mehr als 50 Jahren, wieder illustriert. Fotografien, die den Begriff aus dem Original-WA�rterbuch darstellen, kA�nnen nur in Polen gemacht werden. Die dargestellten Situationen und Objekte sind nicht arrangiert oder digital bearbeitetA�a��A�sie mA?ssen gefunden werden. Jeder Eintrag in deutscher und polnischer Sprache trA�gt die Indexnummer des Original-WA�rterbuches. Das Foto und der unter ihm, auf weiAYem Hintergrund platzierte Begriff, bilden ein integrales Ganzes.

Die Arbeiten an dem Projekt begannen im November 2006.A�Bis Mitte 2014 wurden A?ber 500 Begriffe realisierta��/a��entdeckt. Das Projekt Aa��Z hat einen utopischen CharakterA�a��A�man weiAYt nicht wie lange es fortgesetzt wird, auch wenn klar ist, dass es nie in seiner A�Gesamtheit realisiert werden kann. FA?r die Ausstellung nimmt der jeweils dargestellte Begriff die Form einer hA�lzernen, weiAY bemalten Glasvitrine, mit der MaAYe von 55a��A�a��40a��A�a��5a��cm, an. DieA�Vitrinen werden in ein oder zwei Reihen in alphabetischer Reihenfolge (hinsichtlich der A�polnischen Sprache) aufgehA�ngt. Ein minimal ausgestellter Satz muss 10A�A�Vitrinen enthalten. Diese Form des Projektes wird unter dem A�Namen Aa��ZA�(A�Bildungsvitrinen) prA�sentiert.

Um es mA�glichst allgemein auszudrA?cken, kann ich sagen, dass das Projekt Aa��Z aus der Notwendigkeit der Benennung bzw. des Definierens der von mir empfundenen RealitA�t entstanden ist. Woher die Notwendigkeit kamA�a��A�das weiAY ich letztendlich nicht. Wahrscheinlich, wie im Fall jeder Definition, die auch ein Versuch ist, das Definierte zu beherrschen, so war auch in diesem Fall das Projekt Aa��Z ein Mittel, sich mit der erlebten Wirklichkeit auseinanderzusetzen, die mir in einer Form angeboten wurde, auf die ich keinen Einfluss hatte. Trotz der fehlenden Einflussnahme auf die Gesamtform der Wirklichkeit, bin ich der festen A?berzeugung, dass die Art und Weise, wie wir das benennen, was wir sehen, nicht nur uns selbst definiert, sondern auch die RealitA�t verA�ndert, in der wir leben.

Die zunA�chst unbewussten Intuitionen haben zu einer KlA�rung der methodischen Annahmen meiner Arbeit am Projekt Aa��Z gefA?hrt. Das Definieren einer Wirklichkeit bedeutet eine BerA?hrung mit zwei QualitA�tenA�a��A�dem visuellen Bild der Welt und der Sprache. Beide QualitA�ten sind unendlich und in der Praxis unmA�glich zu begreifen. Die subjektive Perspektive begrenzte auf eine natA?rliche Art und Weise das visuelle Sichtfeld der Welt. Die zufA�llige Entdeckung des BildA�wA�rterbuches Deutsch und Polnisch, herausgegeben im Jahr 1954 in der DDR, ermA�glichte die Bestimmung eines SprachschlA?ssels, dank welcher die RealitA�t von mir neu definiert werden sollte. Das spezifische WA�rterbuch erwies sich fA?r mich als ein idealer sprachlicher Bezugspunkt. Es balanciert zwischen der objektiven Sicht auf die RealitA�t und dem, was als eine KrA?mmung der subjektiven Wahrnehmung bezeichnet werden kann, in diesem Fall bedingt durch die Anforderungen der Propaganda, die es zu erfA?llen hatte.

Seine Einbettung in das a�zvergangene Systema�? ist fA?r mich von groAYem Wert, da ich zu Beginn der Arbeit am Projekt Aa��Z gerade alt genug war, um zu begreifen, dass die erste HA�lfte meines Lebens in der Zeit der Volksrepublik und die zweite in a�zdem neuen Systema�? zusammenfielen. Die Spannweite zwischen den beiden Systemen, in denen die WA�rter ihre Bedeutung A�ndern, kann als zusA�tzliche Motivation fA?r die Neudefinierung der Welt verstanden werden. Die Art der Definition, die meiner Meinung nach irgendeine Bedeutung und Sinn hat, schlieAYt die MA�glichkeit einer bewussten SchA�pfung aus. Daher beschloss ich, sowohl das visuelle Bild der Welt, sowie die Sprache (Deutsch und Polnisch) als zwei oder genau genommen als drei Sammlungen von vorgefertigten Elementen zu behandeln. Meine Aufgabe war es nur, die entsprechenden Elemente aus den drei Sammlungen zu finden und eine angemessene Verbindung herzustellen. Daher wurden fotografierte Situationen und Objekte in keiner Weise arrangiert. Auch die Beschriftungen blieben in einer unverA�nderten Form hinsichtlich ihrer Schreibweise im Original-WA�rterbuch (einschlieAYlich aller Archaismen und Unbeholfenheiten in der A?bersetzung) bestehen.

Das vorgefundene Objekt initiierte die Suche nach dem Begriff aus dem WA�rterbuch, und umgekehrtA�a��A�die Begriffe aus dem WA�rterbuch spornten mich an, die Objekte in der Wirklichkeit zu finden. In meiner Arbeit und in der gesamten Systematik gibt es keine HierarchieA�a��A�alle Themen, Objekte, Ereignisse und WA�rter sind gleichwertig. Aus diesem Grund werden, wie im Index des wirklichen WA�rterbuches, alle Begriffe, wenn diese zusammengestellt sind, in einer alphabetischen Reihenfolge (im Hinblick auf die polnische Sprache) angeordnet.

Bei der Realisierung weiterer Begriffe ist mir klar geworden, dass jedes vollendete Werk einen spezifischen Dreiklang bildet: aus dem deutschen Begriff, der polnischen Entsprechung und dem Bild, das oft ungleichmA�AYig den Sinn beider wiedergibt, oder mit dessen Bedeutung (Bedeutungen) spielt. Dieser Dreiklang trifft sich nie in einem Punkt. DieA�Verfehlung ist mitunter unbedeutend; es sind jedoch immer drei getrennte Punkte. Auf diese Weise wird jedes Mal eine in ihrer Dreiecksform spezifische Bedeutung gebildet. Die wahre Bedeutung eines Begriffs (wenn es so etwas gibt), liegt irgendwo zwischen den Eckpunkten des Dreiecks.

Die offene Methode meiner Arbeit, wenn auch auf streng befolgten Regeln basierend, aber von keiner Hypothese unterstA?tzt, fA?hrte wA�hrenddessen zum Auftreten von unvorhergesehenen ZusammenhA�ngen und Kontexten (sprachlichen, soziologischen, historischen, A�sthetischen, philosophischen und persA�nlichen). Einige waren fA?r mich Entdeckungen. Ich nahm alle an. Keins erschA�pft das Ganze.

Zu meiner A?berraschung bemerkte ich vor Kurzem, dass unter allen soweit abgeschlossen Begriffen, das erste Wort der alphabetischen Reihenfolge a�zAfrikaa�? (Polnisch: Afryka) und das letzte a�zGiraffea�? (Polnisch: A?yrafa) ist. Vielleicht bedeutet dies, dass der gesamte Inhalt aus der Schatulle der RealitA�t, die ich erlebe, trotz einer scheinbaren NA�he fA?r mich sehr afrikanisch sei? Vielleicht ist mein Geisteszustand ein Zustand des Geistes eines Mannes, der sich selbst in exotischen UmstA�nden gefunden hat und ihm alles, was er um sich herum sieht, seltsam erscheint?

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EinfA?hrungKommentar des Autors

Biogram

Andrzej Tobis wurde 1970 geboren. ImA�Alter von 20 Jahren zog er nach Kattowitz [Katowice], wo er seitdem fast ausnahmslos lebt. 1995A�absolvierte Tobis die dortige Akademie der SchA�nen KA?nste, in der er zurzeit die Abschlussklasse des Malateliers leitet.
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  • AusgewA�hlte Einzelausstellungen

    Teraz poruszam siA� A�miastem [Jetzt bewege ich mich stA�dtisch], Kronika Galerie, Beuthen [Bytom]; Czas Galerie, BenA�dzin [BA�dzin], 2002.

    NovA� Miesto [Neue Ort], Czas Galerie, Bendzin [BA�dzin]; A�Polnisches Institut, Pressburg [Bratislava], 2005.

    Aa��Z (Gabloty edukacyjne) [Aa��Z
    (Bildungsvitrinen)
    ], Zentrum fA?r ZeitgenA�ssische Kunst Kronika, Beuthen [Bytom], 2007.

    Aa��Z (Educational Cabinets) [Aa��Z (Bildungsvitrinen)], 1/a�S9A�Unosunove Arte Contemporanea, Rom, 2008.

    Aa��Z (Schaukasten als Bildungseinrichtung), Polnisches A�IA�nstitut, Berlin, 2008.

    Aa��Z (Schaukasten als Bildungseinrichtung), Polnisches A�Institut, DA?sseldorf, 2009.

    Aa��Z (Gabloty edukacyjne), A�Zentrum fA?r ZeitgenA�ssische Kunst Znaki Czasu, Thorn [ToruA�],A�2009.

    Aa��Z (Gabloty edukacyjne), imA�Rahmen des Festivals derA�Vier Kulturen, Zentrales Textilmuseum, Lodz [A?A?dA?], 2010.

    Dowody rzeczowe [Beweismaterial], Zentrum fA?r ZeitgenA�ssische Kunst Kronika, Beuthen [Bytom],A�2014.

    Aa��Z (Bildungsvitrinen), Schloss Genshagen, Genshagen, 2014.

  • AusgewA�hlte Gruppenausstellung

    34. Nationaler Malwettbewerb Bielska JesieA� (Goldene Medaille), BWA Galerie, A�Bielitz-Biala [Bielsko-BiaA�a], 2003.

    Rekonesans malarstwa [ReconA�A�naissance der Malerei], SektorA�I Galerie, Kattowitz [Katowice]; BaA�tycka Galerie, Stolp-StolpmA?nde [SA�upsk-Ustka], 2007.

    Efekt czerwonych oczu. Fotografia polska XXI wieku [Rote-Augen-Effekt. Polnische Fotografie im 21. Jh], Zentrum fA?r ZeitgenA�ssische Kunst Ujazdowski Schloss, Warschau [Warszawa], 2008.

    AslA�sk activ 3 [Schlesien aktiv 3], BWA Kattowitz [Katowice], 2008.

    Muzeum historii nienaturalnej [Museum der unnatA?rlichen Historie], Zentrum fA?r ZeitgenA�ssische Kunst Kronika, Beuthen [Bytom], 2008.

    AslA�ska kolekcja sztuki wspA?A�czesnej [Schlesische Sammlung der zeitgenA�ssischen Kunst], Znaki Czasu, BWA Bielitz-Biala [Bielsko-BiaA�a],A�2009.

    Energy Class B, Ormeau Baths Gallery, Belfast, 2009.

    2. Sektor-Sztuki-Biennale, A�SektorA�I Galerie, Kattowitz [Katowice], 2009.

    TableauA�a��A�mowa wygnana [TableauA�a��A�verbannte Sprache], A�BaA�tycka Galerie, Stolp [SA�upsk], 2009.

    Pokaz 4 [4. Schau], Oberschlesisches Museum, Beuthen [Bytom], 2009.

    Efekt pasaA?u [Passage-Effekt], Otwarta Pracownia [Open Studio], Krakau [KrakA?w]; Oberschlesisches Museum, Beuthen [Bytom]; BaA�tycka Galerie, Stolp [SA�upsk], 2011.

    Wymiana darA?w [Austausch von Gaben], Museum fA?r Moderne Kunst, Breslau [WrocA�aw],A�2011.

    Marginalia im Rahmen der 7.A�Fotografie-Biennale, Posen [PoznaA�], 2011.

    Fest mit Polen, Schauspiel KA�ln, KA�ln, 2012.

    Erinnerung an Arbeit, WeltA�kulturerbe Zollverein, Essen, 2012.

    Aa��Z (Gabloty edukacyjne), imA�Rahmen der Ausstellung Ziemie podwA?jnie odzyskane [Doppelt wiedergewonnene Gebiete]. Bogdan A?opieA�ski, Andrzej Tobis, Krzysztof A�wirblis, Nationale Kunstgalerie ZachA�ta, Warschau [Warszawa], 2012.

    Mikroutopie codziennoA�ci [MikroA�utopie des Alltags], Zentrum fA?r ZeitgenA�ssische Kunst Znaki Czasu, Thorn [ToruA�], 2013.

    Oblicze dnia. Koszty A�spoA�eA�czne wA�A�Polsce po 1989 roku [Gesicht des Tages. Soziale Grenzkosten in Polen nach 1989], Teil des 6. ArtBoom Festivals, Kino AswiaA�towid, zukA?nftiges Museum der Volksrepublik Polen, Krakau [KrakA?w], 2014.